Am Wochenende vor dem 21. Januar hatten Aussagen aus Washington die Märkte zunächst belastet. Neue Importzölle gegen Europa standen im Raum. Viele Anleger befürchteten eine Neuauflage des Handelskonflikts zwischen den USA und Europa. Entsprechend vorsichtig reagierten die Märkte.
Umso überraschender kam dann Trumps Ankündigung am 21. Januar, vorerst auf diese Zölle zu verzichten. Diese Entscheidung sorgte zwar für kurzfristige Entspannung, doch das Grundproblem bleibt: Die Handelspolitik der USA gilt weiterhin als unberechenbar.
Warum ist das für Bitcoin wichtig? Ganz einfach: Zölle bedeuten wirtschaftlichen Stress. Wenn der Welthandel unter Druck gerät, werden Investoren vorsichtiger. In solchen Phasen reduzieren viele ihr Risiko – und dazu zählen neben Aktien auch Kryptowährungen wie Bitcoin.
Interessant war, dass der Bitcoin-Kurs zunächst ruhig blieb. Erst mit der Öffnung der asiatischen Aktienmärkte und dem Start des US-Futures-Handels setzte der Kursrückgang ein. Viele Anleger warteten offenbar ab, wie die klassischen Finanzmärkte reagieren würden, bevor sie ihre Positionen anpassten.
Grönland als zusätzlicher Unsicherheitsfaktor
Neben der Zoll-Debatte sorgt auch der sogenannte Fall Grönland für Nervosität. Die arktische Region rückt zunehmend in den Fokus globaler Machtinteressen. Rohstoffe, neue Handelsrouten und strategische Militärpräsenz machen Grönland geopolitisch wichtiger denn je.
Für Bitcoin bedeutet das nicht automatisch schlechte Nachrichten. Doch zunehmende geopolitische Spannungen erhöhen die Unsicherheit, und genau das mögen die Finanzmärkte nicht. Anleger reagieren in solchen Phasen oft defensiv und ziehen Kapital aus riskanteren Anlagen ab.
US-Feiertag verzögert klare Marktreaktionen
Am 19. Januar blieben die US-Börsen wegen des Martin Luther King Day geschlossen. Dadurch verzögerte sich die klare Marktreaktion auf politische Entwicklungen. Erst im weiteren Wochenverlauf wurde deutlich, wie Anleger die Gemengelage aus Zollpolitik, Geopolitik und Regulierung einschätzen.
Aktuell liegt der Bitcoin-Kurs wieder unter 81.000 Euro – genau unter jener Marke, die zuvor mehrfach nicht nachhaltig überwunden werden konnte. Der Markt bleibt damit in einer Phase des Abwartens.
Wichtige Krypto-Regeln in den USA erneut verschoben
Zusätzlich zur Handelspolitik sorgt auch die Regulierung in den USA weiter für Unruhe. Eigentlich sollte der sogenannte Clarity Act vorangetrieben werden. Dieses Gesetz soll endlich klare Spielregeln für den Kryptomarkt schaffen.
Bislang herrscht in den USA ein regelrechtes Chaos: Unternehmen bringen neue Token auf den Markt, die Börsenaufsicht greift ein, und am Ende landen viele Fälle vor Gericht. Der Clarity Act soll festlegen, wer wofür zuständig ist, und so Rechtssicherheit schaffen.
Europa ist hier mit der MiCA-Regulierung bereits einen großen Schritt weiter. Die USA verfolgen hingegen einen anderen Ansatz: Ein Gesetz für Stablecoins (Genius Act) und ein separates Gesetz für den restlichen Kryptomarkt (Clarity Act).
Warum sich das Gesetz immer weiter verzögert
Das Kernproblem: Es existieren mehrere unterschiedliche Versionen des Clarity Act. Verschiedene Ausschüsse im US-Senat verfolgen eigene Interessen. Dadurch wird das Gesetz besonders anfällig für Lobbyeinflüsse – vor allem von Banken.
Ein zentraler Streitpunkt ist die Frage, ob Stablecoins Zinsen bieten dürfen. Banken fürchten, dass Kunden ihr Geld von klassischen Sparkonten abziehen könnten. Die Krypto-Branche hingegen sieht darin gesunden Wettbewerb.
Hier geht es also nicht nur um Verbraucherschutz, sondern um Macht, Kontrolle und die Zukunft des Finanzsystems. Und genau deshalb kommt das Gesetz nur sehr schleppend voran.
Was das alles für Bitcoin bedeutet
Die jüngste Ankündigung Trumps, vorerst auf Zölle gegen Europa zu verzichten, sorgt zwar für etwas Entspannung, löst aber die grundlegenden Probleme nicht. Die politische Lage bleibt instabil, und auch die Regulierung in den USA kommt kaum voran.
Solange diese Unsicherheiten bestehen, bleibt der Markt nervös. Anleger wissen nicht, welche Regeln in Zukunft gelten werden und wie sich geopolitische Konflikte weiterentwickeln.
Kurz gesagt: Bitcoin steckt weiterhin in einer Warteschleife. Nicht wegen eines einzelnen Ereignisses, sondern wegen vieler kleiner Unsicherheiten. Und genau deshalb könnte diese Phase noch etwas andauern.